Themenbericht zu “Filesharing”
Diskussionsthema
Filesharing ist wohl einer der häufigsten Gesetzesbrüche, der hauptsächlich von Jugendlichen und jungen Erwachsenen verübt wird - ohne, dass es einem bewusst ist, welche möglichen Konsequenzen auf einen zukommen oder man sich überhaupt klar macht, dass es sich dabei (zumindest in Deutschland und großen Teilen der Welt) um einen wirklichen Gesetzesbruch handelt.
Meinungen
Nach einer langen Diskussion kamen wir zu der Ansicht, dass das aktuelle Urheberrecht einfach nicht mehr zeitgemäß ist.
Der Tausch von Filmen und Musik ist unserer Meinung nach einfach schon viel zu tief verwurzelt in der (jungen) Gesellschaft, als dass man auch durch noch härtere Bestrafung erreichen könnte, dass diese Medien wieder zunehmend legal getauscht werden. Auch die neueren Bestrebungen mancher Regierungen (bspw. der britischen Regierung), den Datenverkehr stärker zu überwachen und ggf. die Internetverbindung abzustellen, werden unserer Meinung nach nicht das eigentliche Problem lösen. Selbst wenn der Internetverkehr noch stärker überwacht wird, werden die „Tauscher“ auf andere Möglichkeiten ausweichen. Die Digitalisierung der Medien hat es einfach ermöglicht, Inhalte schnell und ggf. auch ohne an das Internet angebunden zu sein, beliebig zu vervielfältigen oder zu tauschen.
Von besonderer Bedeutung war hier der Beitrag von Philip. Als Musiker sieht er sich auch dadurch konfrontiert, dass Einnahmeausfälle für die Musiker wohl auch in Zukunft noch erheblicher werden können. Allerdings ließ er durchscheinen, dass für ihn die Möglichkeit frei an alle Arten von Musik zu kommen, diese mit Freunden und speziell in seinem Fall mit Bandkollegen teilen zu können und sich dadurch „weiterzuentwickeln“ von größerer Bedeutung sei, als die potentiellen Einnahmen aus einem Plattenverkauf, die für den Künstler relativ gering seien. Er argumentierte, dass dies eigentlich positiv für die Musiklandschaft sei. Grund hierfür sei, dass „gepushte Acts“ wohl an Bedeutung verlören. Für Musikkonzerne würde es sich einfach nicht mehr lohnen „schwache Acts aufzublasen“, um so die Kaufkraft „der Popkonsumenten“ abzuschöpfen. Stattdessen würden sich andere Bands durchsetzen, die es schaffen, trotz der Vielzahl an Bands, herauszustechen und so qualitativ hochwertige Musik herauszufiltern.
Schnell kamen wir zu dem Gedanken, dass die gefühlte Verschärfung der Bedingungen für Filesharing oder schlicht die Aufrechterhaltung der bestehenden Gesetzgebung das Werk von Lobbygruppen sei, die versuchen, die Musikindustrie in ihren bisherigen Ausmaßen beizubehalten und diese für sie existenzbedrohende Entwicklung einfach stören wollen. Auf Kosten einer eigentlich innovativen Entwicklung zum Nutzen einer breiten Bevölkerungsschicht.
Es wurde auch über alternative Entlohnungskonzepte für Musiker nachgedacht.
Aber Konsens war, dass Gruppen, die die subjektive Unterstützung verdient hätten, diese auch bekommen würden. Dann würde man sich nämlich die CD kaufen, alleine schon des Booklets wegen oder ein Konzert besuchen bzw. Merchandise Artikel erwerben. Auf meinen Einwand hin, ob dies vielleicht für Musik gelte, aber im Falle von Filmen wesentlich gefährlicher sei, weil hier eine „Ausdünnung“ des Filmangebots drohe, entgegnete man mir einstimmig, dass die wirklich guten Filme sowieso von Stiftungen finanziert seien und deshalb die Qualität des Filmes nicht beeinträchtigt sei.
Handlungen
Das Urheberrecht muss überarbeitet werden. Es muss den modernen Möglichkeiten der Informationsbearbeitung Raum geschaffen werden. Es kann nicht sein, dass die Möglichkeit besteht seine Kreativität auszudrücken, indem man vorhandene Inhalte verwendet und bearbeitet, so einen gewissen gesellschaftlichen Mehrwert produziert und dafür noch rechtlich belangt wird.
Ein sehr gutes Beispiel hierfür sind sogenannte Mash-ups. Um den Entwicklungen Rechnung zu tragen, muss das Urheberrecht dahingehend überarbeitet werden, dass es den Ausdruck von Kreativität ermöglicht und nicht bremst bzw. sanktioniert. Dem geistigen Eigentum muss selbstverständlich weiterhin Rechnung getragen werden. Allerdings in einer anderen Art und Weise. Eine sehr ähnliche Kopie darf nicht unter dem eigenen Namen verkauft werden. Allerdings ist dies in vielen Bereichen sowieso moralisch schon verpönt. Bei Abwandlungen, so fanden wir, muss das Original namentlich erwähnt werden. In „Software-Kreisen“ sahen wir dies etwa durch GNU/GPL schon bewerkstelligt.
Akteure
Da es sich hierbei um die Veränderung bestehender Rechtsprechung handelt, ist die Politik gefragt, hier zu handeln. Begleitet wird dies von einer Vielzahl von entsprechenden Gruppen etwa aus dem Künstler- oder Hackerbereich.
„Die Politik“ hat hier vieles verschlafen. So erklärten wir uns auch das Erstarken der Piraten-Partei bei den letzten Bundestagswahlen, die vor allem ein junges Klientel ansprachen und bemerkenswerten Erfolg damit hatten. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Unserer Meinung nach hat die Piratenpartei dahingehend ein kleines Gegengewicht geschaffen, welches wahrscheinlich zu schwach ist, um die vermutete Lobbyarbeit wett zu machen. Nichts desto trotz hoffen wir, dass eine bürgernahe und innovationsfördernde Gesetzgebung auf den Weg gebracht werden kann.


Kommentare
Reform Urheberrecht Den
Reform Urheberrecht
Den Forderungen der Diskussionsteilnehmer nach einer Reform des Urhebrrechts kann ich mich nur anschließen. Derzeit diskutieren wir in der Internet Enquete Kommission des Deutschen Bundestags insbesondere folgende Punkte:
- Neugestaltung Schutzfristen
- Neugestaltung Vergütungsmodelle und Lizenzmodelle (Bsp. CCL)
- Fairer Ausgleich zwischen Urhebern, Verwertern und Nuntzern/ Kosumenten bei der Ausgestaltung neuer Rechtsrahmen
Die hier geführte Diskussion entspricht also sehr stark den Themen, die wir in der Politik aktuell führen, oftmals auf Anregung von externer Seite. Hier agiert die Politik aus meiner Sicht inzwischen viel offener als zu früheren Zeiten.
viele Grüße
Sebastian Blumenthal, MdB